Wer kann uns bei der Sanierung der neuen Filmpiraten-Redaktionsräume unterstützen?

Sanierungsparty
Bock auf Gips, Fensterkitt & Schweiß? Seit einigen Wochen werkeln wir nun schon an den neuen Filmpiraten-Redaktionsräumen. Wir wollen bald damit fertig werden, damit wir wieder die Kamera in den Hand nehmen und euch im politischen Kampf unterstützen können. Damit das alles schneller geht, würden wir uns freuen, wenn Du uns dabei helft, unsere neuen Räume schöner zu machen. Deswegen veranstalten wir am Samstag, den 11.Oktober eine Renovierungsparty in den neuen Räumen. Euch winken Getränke, Essen, Spaß, Mukkis… Am Ende wollen wir den Abend mit Filmen ausklingen lassen.

Bewegte Jahre in bewegten Bilder – Die Filmpiraten haben Geburtstag

filmpiraten-geburtstag

Local Times Erfurt hat anlässlich des 10jährigen Bestehens der Filmpiraten ein Interview gemacht. Zehn Jahre Demonstrationen, Hausbesetzungen, Gerichtsprozesse. Zehn Jahre zwischen Nazis, Polizei und Antifa. Zehn Jahre Protest, Aufstand und Rebellion. Zehn bewegte Jahre in bewegten Bildern. Die Filmpiraten feiern ihren zehnten Geburtstag. Local Times Erfurt gratuliert allen Videoaktivisten und Videoaktivistinnen recht herzlich und sprach mit Fipi, dem dienstältesten Piraten, über Vergangenes und Zukünftiges.  

LTE: Fipi, herzlichen Glückwunsch dir und allen anderen Filmpiraten!
 
Fipi: Danke, danke!
 
Zehn Jahre haben die Filmpiraten jetzt auf dem Buckel und das als ehrenamtliches Filmprojekt. Wie hält man so lange durch?
 
Das frage ich mich auch… leicht ist das zumindest nicht (lacht). Auf der anderen Seite ist das auch ein bisschen bitter. Also dass man sich zehn Jahre engagiert und tut und macht und das Geld trotzdem ziemlich knapp ist.
 
Klingt nach einem etwas enttäuschten Fazit nach so vielen Jahren?
 
Na so ist es auch nicht. Ich denke schon, dass viele unserer Videos Prozesse angestoßen haben. Letztes Jahr zum Beispiel: unsere Berichterstattung zu Greiz und diesem Bürgermob, der da gegen das Asylbewerberheim demonstriert hat. Ich glaube ohne uns, wäre das gar nicht so in die Öffentlichkeit gelangt und hätte auch nicht so starke Reaktionen hervorgerufen. Das ist zumindest mein Eindruck, auch wenn sich das so natürlich nicht beweisen lässt. Insofern waren die zehn Jahre natürlich nicht umsonst (lacht).
 
Eure Filme zeigen Protestbewegungen und porträtieren zugleich eine Gesellschaft, gegen die es sich zu protestieren lohnt. Seid ihr selbst Teil des Protestes oder sind eure Filme bloße Dokumentation?
 
Wir verstehen uns bis heute als Videoaktivisten. Das heißt, dass wir schon Teil der Bewegung sind. Wir wollen jedoch keine dumpfen Propagandavideos machen und versuchen immer Distanz zu wahren. Das hat ja schließlich auch etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun.
 
Dabei fällt auf, dass ihr euch in den Filmen nie durch eine Stimme aus dem Off zu Wort meldet, es also nie eine kommentierte Dokumentation ist. 
 
Na das hat in erster Linie mit der Kritik zu tun, die wir selber am Fernsehen üben. Es ist ganz oft so, dass Redakteure ihre Off-Redebeiträge schreiben und dann die Bilder der Berichterstattung anpassen. Es gibt da also eine Bild-Ton-Schere, wie man das so schön sagt. Und unsere Idee ist es, die Bilder möglichst unverfälscht zu lassen. In der Realität ist das natürlich schwierig, denn jeder einzelne Schnitt und Bildausschnitt verändert den Inhalt. Das ist eine der größten Erkenntnisse, der letzten zehn Jahre für mich. Videos haben eine unheimlich hohe Manipulationskraft.
 
Hat sich in den vergangenen Jahren eure Art Filme zu machen geändert?
 
Ja, aber vor allem in Sachen Qualität. Wenn ich mir heute alte Filme anschaue, die ich geschnitten habe, denke ich manchmal “man, man, man, was für ein Mist”. Heute sind die Sachen qualitativ hochwertiger produziert. Aber was sich eigentlich geändert hat, ist die Perspektive auf das Projekt.
 
Auf die Filmpiraten selbst meinst du?
 
Ja. Man stellt sich die Frage, wo es eigentlich hingehen soll? Die Idee für die Zukunft ist es, die Leute sehr viel stärker in die Projekte einzubeziehen. Also nicht einfach: wir machen und wir bestimmen, was wir machen. Sondern wir wollen den ganzen Prozess demokratisieren. Das heißt, dass die Leute mitbestimmen können. Damit einher geht natürlich, dass wir verstärkt auf Mitarbeit von außen setzen wollen. Ich meine, ich bin jetzt seit 10 Jahren mit dabei und bin auch die kontinuierliche Person bei den Filmpiraten, aber ich will das eigentlich gar nicht sein. Ich will, dass auch Andere daran teilhaben können.
 
Wünscht ihr euch das also auch zum Geburtstag, ein paar Leute die helfen? Zum Beispiel bei der Renovierung des neuen Filmpiratenbüros in der Saline 34?
 
Ja auf jeden Fall wünschen wir uns Unterstützung, aber nicht nur hier bei der Renovierung. Wir wünschen uns viel mehr aktive Beteiligung von interessierten Leuten. Wir sind ja auch seit anderthalb Jahren ein eingetragener, gemeinnütziger Verein, da fällt allerhand an. Auch Organisatorisches. Also wenn sich jemand hier einbringen möchte, Filmarbeiten, Öffentlichkeitsarbeit etc. dann immer gern!

Ihr habt im Juni 2013 ein Fahndungsvideo gedreht, in dem nach dem Polizisten gesucht wird, der eure Kamera mutwillig beschädigt hat. Ist der Täter schon gefasst?
 
(lacht) Das Verfahren läuft tatsächlich noch. Unsere Anwältin streitet sich da mit dem hessischen Innenministerium. Ein Schelm der Böses dabei denkt, aber es dauert alles und es hat den Anschein, als würden die Behören das alles auf die lange Bank schieben. Dabei sind die Bilder eigentlich ziemlich eindeutig und die Polizeieinheit deutlich gekennzeichnet. Aber es ist in Deutschland eben unheimlich schwer einen Polizisten für seine Taten zu belangen.
 
Ihr habt mit eurer Arbeit jetzt zehn Jahre lang auch der deutschen Polizei auf die Finger geschaut, wie ist euer Verhältnis zu den Gesetzeshütern?
 
Also es vergeht kaum eine Demonstration, wo wir als Kameraleute nicht nach dem Presseausweis gefragt werden. Polizisten sehen sich häufig als Opfer einer Medienkampagne. Die gehen grundsätzlich davon aus, dass Journalisten ihre Arbeit ins falsche Licht rücken, um damit Aufmerksamkeit zu bekommen. Nach dem Motto: Es wird nur gezeigt, wie Polizisten den Demonstranten prügeln, aber dass der vorher Steine wirft, zeigt keiner.
 
Nochmal das Stichwort: manipulatives Bild.
 
Ja genau. Es gibt viele die Sagen: Bilder sprechen für sich. Aber das ist ein ganz großer Trugschluss. Zumal auch jeder Betrachter in einem Bild etwas anderes sieht. Das merke ich auch immer an den Youtube-Kommentaren unter unseren Filmen. Zum Beispiel das Wismar-Video. Wenn die Rechten das sehen, denken die “Boah sind wir krass gewesen” und sind da noch stolz drauf. Ein Linker fühlt sich hingegen in seiner Sicht der Dinge bestärkt und ein normaler Betrachter kriegt vermutlich einfach nur Angst.
 
Wie war das damals für dich als Kameramann?
 
Also Wismar war schon eine ziemlich krasse Erfahrung. Als die Nazis plötzlich mit Baseballschläger aus dem Haus kommen und die Polizisten ihre Pistolen ziehen. In dem Moment habe ich, glaube ich, gar nichts gedacht. Das ging alles so rasend schnell und ich hatte auch Glück. Der eine hat ja dann noch versucht mir die Kamera aus der Hand zu treten und hat seine Bierflasche nach mir geworfen. Knappe Sache!
 
Ihr renoviert in der Saline 34 gerade euer neues Büro, was ist denn geplant, wenn ihr damit fertig seid?
 
Na es gibt allerhand Ideen. Bundeswehr wäre grade so ein Thema, aber ich denke auch darüber nach, ein Making of der Filmpiraten zu machen und den Leuten mal einen Blick hinter die Kamera zu ermöglichen. Es gibt so viele unerzählte Geschichten, so viele ungezeigte Bilder, die man anlässlich des Zehnjährigen ja mal verarbeiten könnte.
 
Und wo stehen die Filmpiraten in zehn Jahren?
 
Mein Wunsch wäre es, dass wir uns dann soweit professionalisiert haben, dass wir kontinuierlich über progressive Inhalte berichten können. Und ich möchte das ganze Projekt auf wirtschaftlich solide Beine gestellt haben.
 

Und wenn dann die Rufe laut werden, dass sich die Filmpiraten verkaufen?

 

Sich Verkaufen, was heißt, das schon? Unsere Videobeiträge sind immer unter einer Creative-Commons-Lizenz erschienen und werden das auch in zehn Jahren noch. Wenn ich da andere linke Medienprojekte sehe – wie Taz oder Jungleworld – die kosten jetzt alle Geld! Also bis wir uns verkaufen, ist es noch ein weiter Weg und den sind viele schon erheblich weiter gegangen, als wir es je werden.
 
Vielen Dank für das Interview!
 

AK

Weiterführende Links: 

Mehr Infos zu den Filmpiraten unter http://www.filmpiraten.org/

Video: Der alltägliche Rassismus an der Supermarktkasse

Video: Ein Rundgang über das Topf und Söhne Gelände

Video: Die Räumung des besetzten Hauses – Erfurt

Video: Die Alu-Antifa und die Montagsdemo

10 Jahre bis zum Filmpirat*innen-Büro

buero-Sanierung2
Zuerst die schlechte Nachricht: Knapp vor dem 10-jährigen Bestehen der Filmpiraten am 2. Oktober 2014 haben wir leider nicht die personellen Kapazitäten eine Geburtstagssause zu veranstalten. Nun aber die gute Nachricht: Bald haben wir Redaktions- und Vereinsräume im Wächterhaus der Salinenstraße 34 in Erfurt. Konkret geht es um 2 Räume von insgesamt ca. 30m² im 3. Obergeschoss.

Die Räume sind günstig, jedoch in einem schlechten Zustand. Bevor wir in die Räume einziehen und uns wieder den Filmen widmen können, gibt es einiges dort zu tun und die Arbeiten sind umfangreich. Der Fußboden ist in einem sehr schlechten Zustand, die Gläser in den ein-glasigen Fenstern beginnen raus zufallen und klappern. Das sind nur einige Beispiele.

Wir würden uns total freuen, wenn du uns einigen Arbeiten unterstützen könntest. Die nächsten Tage und Wochen werden wir an diesen Räumen arbeiten. Hast du sonst noch Ideen, was wie wir die Räume einrichten können? Wenn du uns unterstützen magst, melde dich am besten direkt bei uns und komme zu unseren Arbeitseinsätzen.

Aktueller Stand zum Lothar-König-Prozess


Ein Jahr ist es her, dass der Prozess gegen Lothar König, Stadtjugendpfarrer in Jena, ausgesetzt wurde. Wir sind nach Jena gefahren, um den Prozess vom vergangenen Jahr revue passieren zu lassen. Was geschah damals wirklich in Dresden? Und wo kamen die 300 Stunden Videomaterial her, die weder die Staatsanwältin noch der Verteidigung bekannt waren? Im Oktober wird der Prozess fortgesetzt.

Jenaer Hausbesetzung: Der Traum ist aus


„Aber ich werde alles geben, dass er Wirklichkeit wird“ singen Ton Steine Scherben in ihren Song „Der Traum ist aus“. Fast 24 Stunden hatten 3 Besetzer*innen und ca. 150 Unterstützer*innen im und vor dem Haus in der Carl-Zeiss-Straße 11 in Jena durchgehalten. Am Ende haben mehrere Hundert Polizisten die Blockade vor dem Haus geräumt und das Haus gestürmt.
Eine kurze Zusammenfassung wie die Besetzung gestartet ist, was die Motivation der Besetzer*innen und wie die Besetzung beendet wurde zeigt dieser Videobeitrag.

Interview mit Besetzer*innen
Weitere Informationen: Besetzer*Innen, Indymedia, MDR, Jenapolis,

Jenaer Preis für Zivilcourage geht nach Wien in den Knast an Josef


Der Festsaal im alten Jenaer Rathaus ist gut gefüllt. In den ersten Reihen sitzen die Entscheidungsträger der Stadt Jena: Oberbürgermeister, Superindentent, Polizei, etc. Alle lauschen, als zwei Musiker an Flügel und Trompete ein Stück “Keine Träne für den Wiener Walzer” spielen, das starke Ähnlichkeiten mit „Keine Träne“ der vom Verfassungsschutz beobachteten Band „Feine Sahne Fischfilet“ hat. Kurz darauf wird die Laudatio auf den Preisträger gehalten. Der Laudator und Weggefährte Jolly Roger erklärt: „Der diesjährige Preisträger kann heute leider nicht bei uns sein. Gerade weil er für seinen politischen Willen eingetreten ist und eintritt. Es ist Josef, unser Freund und Genosse.“ Verwirrung und Erstaunen macht sich um Raum breit. „Wer ist Josef?“ werden sich viele jetzt Fragen. Für den Oberbürgermeister Jenas und die Jury ist er ein Kämpfer für Zivilcourage, für die Staatsanwaltschaft in Wien ein gefährlicher mutmaßlicher Verbrecher, der als Rädelsführer des sogenannten Schwarzen Blocks seit 24. Januar 2014 in Österreich in Untersuchungshaft sitzt. Er hatte gegen den Wiener Akademikerball demonstriert, eine Veranstaltung konservativer und rechtspopulistischer Kreise, die sich gerne als Elite der Gesellschaft sehen. Die Anklagepunkte gegen Josef sind versuchte absichtliche, schwere Körperverletzung, schwere Sachbeschädigung und Landfriedensbruch. Konservative Medien laufen bereits Sturm gegen die Entscheidung. Der Jenaer Preis für Zivilcourage wird bereits zum 13. Mal verliehen. Dieses Jahr wird der Preis vom Jenaer Shoppingcenter „Goethe Galerie“ gestiftet. Neben dem Preis für Zivilcourage wurde auch der Charlotte-Figulla-Preis an Jugendliche und Schüler*innen vergeben. Letztes Jahr ging der Zivilcouragepreis an Lothar König, der zu dem damaligen Zeitpunkt als Rädelsführer der Proteste in Dresden vor Gericht stand.
Videobeitrag der Filmpiraten vom ersten Prozesstag in Wien, Familientagebuch Josefs, Soligruppe 24.Januar

Prozessauftakt in Wien – gegen Josef


Seit vier Monaten sitzt der linke Aktivist Josef aus Jena und Mitglied der Falken in österreichischer Untersuchungshaft. Ihm wird absichtliche schwere Körperverletzung und Landfriedensbruch bei den Protesten zum “Wiener Akademikerball“ vorgeworfen. Um herauszufinden, warum er trotz eines entlastenden Stimmgutachtens immer noch in Untersuchungshaft sitzt und wie der erste Prozesstag verlaufen wird, sind die Filmpiraten nach Wien gefahren. Weitere Infos: Soli2401