Jenaer Hausbesetzung: Der Traum ist aus


„Aber ich werde alles geben, dass er Wirklichkeit wird“ singen Ton Steine Scherben in ihren Song „Der Traum ist aus“. Fast 24 Stunden hatten 3 Besetzer*innen und ca. 150 Unterstützer*innen im und vor dem Haus in der Carl-Zeiss-Straße 11 in Jena durchgehalten. Am Ende haben mehrere Hundert Polizisten die Blockade vor dem Haus geräumt und das Haus gestürmt.
Eine kurze Zusammenfassung wie die Besetzung gestartet ist, was die Motivation der Besetzer*innen und wie die Besetzung beendet wurde zeigt dieser Videobeitrag.

Interview mit Besetzer*innen
Weitere Informationen: Besetzer*Innen, Indymedia, MDR, Jenapolis,

#1 – Spuren und Erinnerungen – Der Gezi-Park


So gut wie nichts mehr scheint aktuell im Gezi-Park an die große Bewegung vor einigen Monaten zu erinnern. Im Zentrum von Istanbul, direkt neben dem Taksim-Platz, liegt der Gezi-Park, der im Juni 2013 die ganze Türkei im Atem hielt. Für 10 Tage haben damals tausende Aktivist*innen den Park besetzt und der Staatsmacht getrotzt. Im ersten Teil unserer vierteiligen Serie „Filmpiraten in Istanbul“ geht es um den Gezi-Park. Dazu sprechen wir mit Tuncay, einen Aktivist der ersten Stunde. Er führt uns durch den Gezi-Park, vorbei an übermalten Parolen und seinen Erinnerungen.
Die anderen drei Teile unserer vierteiligen Serie „Filmpiraten in Istanbul“ werden innerhalb der nächsten Tage veröffentlicht.

Video: Ihre freundlichen Hausbesetzer*innen von nebenan


Die Eingangstür ist für die ankommenden Besetzer*innen und Unterstützer*innen weit geöffnet. In einem Haus im südthüringischen Ilmenau herrscht Samstag früh um 9 Uhr reges Treiben. Vor dem Haus der Langewiesener Straße 17 steht ein langer Tisch mit Informationen für Passant*innen und Interessierte. Nicht nur Kuchen und Kaffee laden zum Verweilen ein, auch das Wetter meint es gut mit den Besetzer*innen. Die Sonne strahlt, der Wind verteilt die bereit gelegten Flyer. An diesem 19. Oktober 2013 herrscht gute Stimmung. Die nun schon länger leerstehende „Lange 17“ soll sozialen Wohnraum bieten, aber vor allem ein Freiraum für Kultur und Politik in Ilmenau schaffen.
Der erste Kontakt mit zwei Streifenpolizisten beunruhigt die Besetzer*innen nicht. Ihnen wird „maximales Gelingen“ gewünscht. Die Beamten sind schnell verschwunden, dennoch bleibt ein mulmiges Gefühl zurück. Eine Hausbesetzung ohne Polizeieinsatz? In Thüringen nach der gewaltsamen Räumung des Besetzen Hauses 2009 in Erfurt nicht denkbar. Dennoch bleibt die Hoffnung am nächsten Tag ein erstes öffentliches Treffen im neuen Haus zu veranstalten, zu dem sich über Möglichkeiten der Nutzung ausgetauscht werden könnte.
Bis zum Nachmittag werden alle anwesenden Nachbar*innen persönlich angesprochen. Die Besetzer*innen klingeln an den Türen und stellen sich und ihr Anliegen vor. Die Reaktionen sind fast ausschließlich positiv, die Aktion erhält vielfältige Unterstützung. Es gibt warmes Essen quasi von „nebenan“. Viele Menschen zeigen sich solidarisch, fragen nach und bieten ihre Hilfe für den Aufbau an. Mitunter hält unmittelbar vor dem Haus ein Auto und es wird sich neugierig erkundigt, was hier passiert. „Weitermachen!“ heißt ein ermunternder Zuruf, die Initiative der Besetzer*innen hat wohl einen Nerv getroffen. Auch im Internet sind diverse Solidaritätsbekundungen zu finden.
Dennoch ist gegen 16:30 Uhr Schluss mit guter Laune. Die Polizei rückt im Großaufgebot an. Kurze Zeit später erscheint eine Delegation geballter Autorität und Zuständigkeit. Ordnungsamtsleiter, Hausverwaltungsvertreter, Bürgermeister und Oberpolizist leiten das Ende der Besetzung ein. Das Haus sei baufällig, die Nutzung zur Gefahrenabwehr untersagt. Auch die private Eigentümerin, nicht in Ilmenau ansässig, ist informiert und spricht den Besetzer*innen mittels Hausverwaltung ein Hausverbot aus. Erst 10 Minuten, nach zähem Drängen sind es doch 15 Minuten, die das Zeitmaß angeben, wann das Haus geräumt sein soll. Erst nachdem Bürgermeister Tischer den Besetzer*innen vor Ort auch schriftlich zusichert, dass es zu Verhandlungen mit der Stadt über die Anliegen der Aktion geben wird, stimmen die Besetzer*innen zu und verlassen das Haus.
Doch endet so der Tag nicht ganz abrupt. Gegen 19 Uhr startet eine spontan angemeldete Demonstration durch die Ilmenauer Innenstadt, um auf die Geschehnisse aufmerksam zu machen. Die Forderungen nach Wohnraum und sozialen Freiräumen werden lautstark auf die Straße getragen. So streifen etwa 40 Menschen durch die Dunkelheit, mit Transparenten, die kurz zuvor noch das besetzte Haus schmückten.
So ist die „Lange 17“ am Abend schon wieder Geschichte. Nach Angaben des Bürgermeister Tischer soll das Gebäude bald abgerissen werden. Pläne für die Wiederbebauung des Grundstücks gäbe es ebenfalls bereits. Sicher scheint vorerst: Ein weiteres Mal wird ein leerstehendes Haus auch in Zukunft ein solches bleiben. Und draußen stehen die, denen es nicht gehört, aber die es gut gebrauchen könnten.

Hausbesetzung statt Anti-Nazi-Kampf


Statt direkt gegen den Naziaufmarsch in Erfurt vorzugehen, besetzte eine Gruppe das alte Schauspielhaus am Morgen des Ersten Mai in der Brühlervorstadt. Kurz nachdem die Besetzung von der Polizei entdeckt worden ist, riegelten sie das Gebäude ab. Trotzdem fand die Besetzung im Laufe des Tages Unterstützung von mehreren Hundert Menschen, die sich auf Kundgebungen vor und hinter dem Gebäude versammelten. Nach Gesprächen mit einem Stadtrat der SPD und dem Versprechen, dass es in Zukunft Verhandlungen über ein neues soziales Zentrum geben soll, verließen die Besetzer*innen am späten Abend wieder das Gebäude. Eine Erklärung der Besetzer*innen findet sich auf Indymedia.

Solidarität mit Botschaftsbesetzer_innen


Kurzfristig haben sich in Erfurt ca. 50 Menschen zusammengefunden, um sich mit den Besetzer_innen der nigerianischen Botschaft zu solidarisieren. Am 15.10.2012 wurde in Berlin die Botschaft Nigerias von Antira-Aktivist_innen besetzt, um gegen die Zusammenarbeit des nigeranischen Staates mit den deutschen Abschiebebehörden zu protestieren. Die Besetzung wurde kurz darauf von der Polizei auf ihre Art und Weise beendet. Die Demonstration in Erfurt richtete sich gegen das brutale Vorgehen der Polizei bei der Beendigung der Besetzung, sowie die anschließende Verhaftung der Aktivist_innen. Das Video kann auch im Filmpiraten-Youtube-Kanal oder auf facebook angeschaut werden.

Rotzfreche Asphaltkultur auf dem ehem. besetzten Topf & Söhne-Gelände


Am 16. April 2009 wurde mit SEK und Hubschraubern der besetzte Teil den Topf & Söhne-Geländes geräumt[Video]. Danach wurde das Gelände innerhalb von 24 Stunden abgerissen. Genau an dessen Stelle entstand ein Parkplatz mit Einkaufszentrum. Letzten Freitag fanden sich die MusikerInnen der Rotzfrechen Asphaltkultur mit ca 120 Menschen zusammen, um mit einem spontanen Konzert für ein neues Besetztes Zentrum in Erfurt zu spielen. Nachdem die MusikerInnen über eine Stunde bei Sonnenschein gespielt hatten, hat auch die Polizei das unangemeldete Konzert gefunden, war aber mit der Situation überfordert. Das Video kann auch im Filmpiraten-Youtube-Kanal oder auf facebook angeschaut werden.

Besetzung des Landesamtes für Verfassungsschutz Thüringen

Circa 40 Menschen drangen in das Gebäude des Landesamtes für Verfassungsschutz Thüringen ein und besetzten dieses. Die Forderungen beinhalteten unter Anderen die Auflösung des Thüringer Verfassungsschutzes. Nach 2 1/2 Stunden wurde ein Gespräch mit dem Thüringer Innenminister Geibert erzwungen und ihm die Forderungen vorgetragen. Einen ausführlichen Bericht gibt es beim Infoladen Sabotnik.

A-TEAM solidarisiert sich mit besetztem Haus Erfurt

Wie seit einigen Tagen bekannt ist, hat das A – TEAM in Erfurt im Besetzten Haus Projekt aufgeschlagen. Sie werden immer noch von der Polizei verfolgt und freuen sich über all die anderen „Leidensgenoss_innen“. Zu den gründen meinte Templeton „Faceman“ Peck: „Die Situation des soziokulurellen Zentrums lies uns keine andere Wahl“.

Immerhin hat die Eigentümerin des Geländes den Besetzer_innen eine Räumungsfrist bis zum 21. Januar gesetzt. Es bleibt also nicht mehr viel Zeit. Das A – TEAM ist mittlerweile von vier auf eine unbestimmte Anzahl angewachsen. Am Tag – X wird sich herausstellen, wie viele wohl vor Ort sein werden. Starallüren gibt
es hingegen keine mehr. „Wir werden uns in die Plenumsstruktur eingliedern – Chefs und Titel brauchen wir da keine mehr“ meinte H. M. „Howling Mad“ Murdock. Dies wurde auch prompt von den Hausbesetzer_innen bestätigt. So laufen die Vorbereitungen für eine kreative Verteidigung des Projekts auf Hochtouren. Schon jetzt merkte John „Hannibal“ Smith an „Ich liebe es wenn ein Plan funktioniert!“

Als Beweis für dieses unglaubliche Ereignis drehten die Filmpiraten* eine Dokumentation über die Geschehnisse der letzten Tage. Falls niemand des alten A – TEAM zu erkennen ist liegt es an der gestiegenen Anzahl der Team
Mitglieder und der guten Verkleidung.

Es wird empfohlen sich aktuell zu halten. Für die heißen Tage wird alles in Erfurt da sein – wie immer diese auch verlaufen werden.