Bewegte Jahre in bewegten Bilder – Die Filmpiraten haben Geburtstag

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Local Times Erfurt hat anlässlich des 10jährigen Bestehens der Filmpiraten ein Interview gemacht. Zehn Jahre Demonstrationen, Hausbesetzungen, Gerichtsprozesse. Zehn Jahre zwischen Nazis, Polizei und Antifa. Zehn Jahre Protest, Aufstand und Rebellion. Zehn bewegte Jahre in bewegten Bildern. Die Filmpiraten feiern ihren zehnten Geburtstag. Local Times Erfurt gratuliert allen Videoaktivisten und Videoaktivistinnen recht herzlich und sprach mit Fipi, dem dienstältesten Piraten, über Vergangenes und Zukünftiges.  

LTE: Fipi, herzlichen Glückwunsch dir und allen anderen Filmpiraten!
 
Fipi: Danke, danke!
 
Zehn Jahre haben die Filmpiraten jetzt auf dem Buckel und das als ehrenamtliches Filmprojekt. Wie hält man so lange durch?
 
Das frage ich mich auch… leicht ist das zumindest nicht (lacht). Auf der anderen Seite ist das auch ein bisschen bitter. Also dass man sich zehn Jahre engagiert und tut und macht und das Geld trotzdem ziemlich knapp ist.
 
Klingt nach einem etwas enttäuschten Fazit nach so vielen Jahren?
 
Na so ist es auch nicht. Ich denke schon, dass viele unserer Videos Prozesse angestoßen haben. Letztes Jahr zum Beispiel: unsere Berichterstattung zu Greiz und diesem Bürgermob, der da gegen das Asylbewerberheim demonstriert hat. Ich glaube ohne uns, wäre das gar nicht so in die Öffentlichkeit gelangt und hätte auch nicht so starke Reaktionen hervorgerufen. Das ist zumindest mein Eindruck, auch wenn sich das so natürlich nicht beweisen lässt. Insofern waren die zehn Jahre natürlich nicht umsonst (lacht).
 
Eure Filme zeigen Protestbewegungen und porträtieren zugleich eine Gesellschaft, gegen die es sich zu protestieren lohnt. Seid ihr selbst Teil des Protestes oder sind eure Filme bloße Dokumentation?
 
Wir verstehen uns bis heute als Videoaktivisten. Das heißt, dass wir schon Teil der Bewegung sind. Wir wollen jedoch keine dumpfen Propagandavideos machen und versuchen immer Distanz zu wahren. Das hat ja schließlich auch etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun.
 
Dabei fällt auf, dass ihr euch in den Filmen nie durch eine Stimme aus dem Off zu Wort meldet, es also nie eine kommentierte Dokumentation ist. 
 
Na das hat in erster Linie mit der Kritik zu tun, die wir selber am Fernsehen üben. Es ist ganz oft so, dass Redakteure ihre Off-Redebeiträge schreiben und dann die Bilder der Berichterstattung anpassen. Es gibt da also eine Bild-Ton-Schere, wie man das so schön sagt. Und unsere Idee ist es, die Bilder möglichst unverfälscht zu lassen. In der Realität ist das natürlich schwierig, denn jeder einzelne Schnitt und Bildausschnitt verändert den Inhalt. Das ist eine der größten Erkenntnisse, der letzten zehn Jahre für mich. Videos haben eine unheimlich hohe Manipulationskraft.
 
Hat sich in den vergangenen Jahren eure Art Filme zu machen geändert?
 
Ja, aber vor allem in Sachen Qualität. Wenn ich mir heute alte Filme anschaue, die ich geschnitten habe, denke ich manchmal „man, man, man, was für ein Mist“. Heute sind die Sachen qualitativ hochwertiger produziert. Aber was sich eigentlich geändert hat, ist die Perspektive auf das Projekt.
 
Auf die Filmpiraten selbst meinst du?
 
Ja. Man stellt sich die Frage, wo es eigentlich hingehen soll? Die Idee für die Zukunft ist es, die Leute sehr viel stärker in die Projekte einzubeziehen. Also nicht einfach: wir machen und wir bestimmen, was wir machen. Sondern wir wollen den ganzen Prozess demokratisieren. Das heißt, dass die Leute mitbestimmen können. Damit einher geht natürlich, dass wir verstärkt auf Mitarbeit von außen setzen wollen. Ich meine, ich bin jetzt seit 10 Jahren mit dabei und bin auch die kontinuierliche Person bei den Filmpiraten, aber ich will das eigentlich gar nicht sein. Ich will, dass auch Andere daran teilhaben können.
 
Wünscht ihr euch das also auch zum Geburtstag, ein paar Leute die helfen? Zum Beispiel bei der Renovierung des neuen Filmpiratenbüros in der Saline 34?
 
Ja auf jeden Fall wünschen wir uns Unterstützung, aber nicht nur hier bei der Renovierung. Wir wünschen uns viel mehr aktive Beteiligung von interessierten Leuten. Wir sind ja auch seit anderthalb Jahren ein eingetragener, gemeinnütziger Verein, da fällt allerhand an. Auch Organisatorisches. Also wenn sich jemand hier einbringen möchte, Filmarbeiten, Öffentlichkeitsarbeit etc. dann immer gern!

Ihr habt im Juni 2013 ein Fahndungsvideo gedreht, in dem nach dem Polizisten gesucht wird, der eure Kamera mutwillig beschädigt hat. Ist der Täter schon gefasst?
 
(lacht) Das Verfahren läuft tatsächlich noch. Unsere Anwältin streitet sich da mit dem hessischen Innenministerium. Ein Schelm der Böses dabei denkt, aber es dauert alles und es hat den Anschein, als würden die Behören das alles auf die lange Bank schieben. Dabei sind die Bilder eigentlich ziemlich eindeutig und die Polizeieinheit deutlich gekennzeichnet. Aber es ist in Deutschland eben unheimlich schwer einen Polizisten für seine Taten zu belangen.
 
Ihr habt mit eurer Arbeit jetzt zehn Jahre lang auch der deutschen Polizei auf die Finger geschaut, wie ist euer Verhältnis zu den Gesetzeshütern?
 
Also es vergeht kaum eine Demonstration, wo wir als Kameraleute nicht nach dem Presseausweis gefragt werden. Polizisten sehen sich häufig als Opfer einer Medienkampagne. Die gehen grundsätzlich davon aus, dass Journalisten ihre Arbeit ins falsche Licht rücken, um damit Aufmerksamkeit zu bekommen. Nach dem Motto: Es wird nur gezeigt, wie Polizisten den Demonstranten prügeln, aber dass der vorher Steine wirft, zeigt keiner.
 
Nochmal das Stichwort: manipulatives Bild.
 
Ja genau. Es gibt viele die Sagen: Bilder sprechen für sich. Aber das ist ein ganz großer Trugschluss. Zumal auch jeder Betrachter in einem Bild etwas anderes sieht. Das merke ich auch immer an den Youtube-Kommentaren unter unseren Filmen. Zum Beispiel das Wismar-Video. Wenn die Rechten das sehen, denken die „Boah sind wir krass gewesen“ und sind da noch stolz drauf. Ein Linker fühlt sich hingegen in seiner Sicht der Dinge bestärkt und ein normaler Betrachter kriegt vermutlich einfach nur Angst.
 
Wie war das damals für dich als Kameramann?
 
Also Wismar war schon eine ziemlich krasse Erfahrung. Als die Nazis plötzlich mit Baseballschläger aus dem Haus kommen und die Polizisten ihre Pistolen ziehen. In dem Moment habe ich, glaube ich, gar nichts gedacht. Das ging alles so rasend schnell und ich hatte auch Glück. Der eine hat ja dann noch versucht mir die Kamera aus der Hand zu treten und hat seine Bierflasche nach mir geworfen. Knappe Sache!
 
Ihr renoviert in der Saline 34 gerade euer neues Büro, was ist denn geplant, wenn ihr damit fertig seid?
 
Na es gibt allerhand Ideen. Bundeswehr wäre grade so ein Thema, aber ich denke auch darüber nach, ein Making of der Filmpiraten zu machen und den Leuten mal einen Blick hinter die Kamera zu ermöglichen. Es gibt so viele unerzählte Geschichten, so viele ungezeigte Bilder, die man anlässlich des Zehnjährigen ja mal verarbeiten könnte.
 
Und wo stehen die Filmpiraten in zehn Jahren?
 
Mein Wunsch wäre es, dass wir uns dann soweit professionalisiert haben, dass wir kontinuierlich über progressive Inhalte berichten können. Und ich möchte das ganze Projekt auf wirtschaftlich solide Beine gestellt haben.
 

Und wenn dann die Rufe laut werden, dass sich die Filmpiraten verkaufen?

 

Sich Verkaufen, was heißt, das schon? Unsere Videobeiträge sind immer unter einer Creative-Commons-Lizenz erschienen und werden das auch in zehn Jahren noch. Wenn ich da andere linke Medienprojekte sehe – wie Taz oder Jungleworld – die kosten jetzt alle Geld! Also bis wir uns verkaufen, ist es noch ein weiter Weg und den sind viele schon erheblich weiter gegangen, als wir es je werden.
 
Vielen Dank für das Interview!
 

AK

Weiterführende Links: 

Mehr Infos zu den Filmpiraten unter https://www.filmpiraten.org/

Video: Der alltägliche Rassismus an der Supermarktkasse

Video: Ein Rundgang über das Topf und Söhne Gelände

Video: Die Räumung des besetzten Hauses – Erfurt

Video: Die Alu-Antifa und die Montagsdemo

Veröffentlicht unter Text

10 Jahre bis zum Filmpirat*innen-Büro

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Zuerst die schlechte Nachricht: Knapp vor dem 10-jährigen Bestehen der Filmpiraten am 2. Oktober 2014 haben wir leider nicht die personellen Kapazitäten eine Geburtstagssause zu veranstalten. Nun aber die gute Nachricht: Bald haben wir Redaktions- und Vereinsräume im Wächterhaus der Salinenstraße 34 in Erfurt. Konkret geht es um 2 Räume von insgesamt ca. 30m² im 3. Obergeschoss.

Die Räume sind günstig, jedoch in einem schlechten Zustand. Bevor wir in die Räume einziehen und uns wieder den Filmen widmen können, gibt es einiges dort zu tun und die Arbeiten sind umfangreich. Der Fußboden ist in einem sehr schlechten Zustand, die Gläser in den ein-glasigen Fenstern beginnen raus zufallen und klappern. Das sind nur einige Beispiele.

Wir würden uns total freuen, wenn du uns einigen Arbeiten unterstützen könntest. Die nächsten Tage und Wochen werden wir an diesen Räumen arbeiten. Hast du sonst noch Ideen, was wie wir die Räume einrichten können? Wenn du uns unterstützen magst, melde dich am besten direkt bei uns und komme zu unseren Arbeitseinsätzen.

Video-Act-Medienwerkstatt vom 7.-13.7. bei Berlin

Wir sind eine Vernetzung von Gruppen und Einzelpersonen freier Video-Schaffender, die fernab von TV- Sendern und kommerziellen Produktionsfirmen mit einem sozialkritischen Anspruch Videoarbeit machen. Die Themen der teilnehmenden Personen, informellen Gruppen und Vereine bewegen sich bisher im Spannungsfeld zwischen Protestbewegungen, Sozialkritik, Ökologie, Selbstorganisation – im weitesten Sinne also Themen rund um linke außerparlamentarische Politik. Die meisten von uns stellen ihre Arbeiten unter freie Lizenzen, so dass eine Weiterverbreitung der Filme unkompliziert möglich wird (z.B. Creative Commons Lizenzen). Es gab bereits mehrere Treffen dieser Art: im Frühjahr 2013 auf Einladung von Graswurzel TV in Lüneburg, dann im Spätsommer auf dem Wukaniahof bei Berlin. Ende Februar/Anfang März 2014 hatten wir uns in Erfurt getroffen. Ziel der Treffen sind die Vernetzung und der Austausch von unabhängigen Videomacher*innen. Darüber hinaus soll es kostenlose Workshops geben. Eines der Ziele dieses dritten Treffens ist die Schaffung eines gemeinsamen Online-Portals für Videoaktivist*innen. So sollen neue Ausspiel- und Verbreitungswege für unabhängige Videomacher*innen geschaffen und Potenziale bei der Verbreitung unserer Filme und Videos gebündelt werden. Daneben sind Arbeitsgruppen und Plenarsessions geplant. Fest stehen bereits folgende:

  • Aftereffects Einführung, Dienstag, 8. Juli, 10.00Uhr
  • Einführung Untertitelung, Mittwoch, 9. Juli, 10.30 Uhr
  • Bewegtbild meets Hörspiel: Audio-Foto-Shows nach dem Vorbild der taz-Berlin Folgen, Freitag, 11.7., 17.00Uhr
  • Erfahrungsberichte und Austausch von „Old-School“-VideoaktivistInnen, Samstag, 12.7., 10:30Uhr
  • Erfahrungsbericht vom Projekt G8-TV  und Entwurf eines Konzepts für eine Berichterstattung über Proteste anlässlich des G8-Gipfels 2015, Samstag, 12.7., 13.00Uhr Workshop noch ohne festen Zeitpunkt (nach Bedarf)
  • rechtliche Grundlagen als Videoaktivist*in –
  • Progressives Bewegungsfernsehen – Partizipativer Videoaktivismus/Videojournalismus  (Vorstellung eines Konzeptes für ein Videoportal)
  • und weitere je nachdem was ihr einbringen könnt und euch interessiert

Anmeldung: anmelden kannst du dich bei den Filmpiraten. Die gesamte Teilnahme ist kostenfrei.

  • Mitbringen: Zelt, Schlafsack, Isomatte + (eigene) Filme, die ihr zeigen und gerne besprochen haben wollt
  • Anfahrtsbeschreibung zur Medienwerkstatt auf dem Wukania-Hof

Wir freuen uns auf deine Teilnahme. Diese Einladung kann gerne an Interessierte weiter geleitet werden.

Für die gesamte Vernetzung 2014 haben wir als Filmpiraten bei Jugend in Aktion Fördergelder beantragt, damit die entstehenden Kosten nicht bei Einzelpersonen oder Gruppen hängen bleibt.

VIDEOAKTIVISMUS – Mit der Kamera für eine andere Welt

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Die Filmpirat*innen sind ein Videokollektiv aus Erfurt, das seit 2004 über antifaschistische, antirassistische und antikapitalistische Bewegungen berichtet. Der Ausgangspunkt ist die Kritik an kapitalistischen Mainstream-Medien. Dabei gehen sie der Frage nach, wie Videoaktivismus als eine emanzipatorische gesellschaftliche Intervention begriffen werden kann und stellen Möglichkeiten, Grenzen und Perspektiven ihrer videoaktivistischen Arbeit vor. Darüber hinaus werden Video-Beispiele aus dem Alltag der letzten zwei Jahren nicht zu kurz kommen.

26. Februrar | 19:00 Uhr | Café Nerly | Markstraße 6 | Erfurt

Dritte bundesweite Videoaktivist*innen-Vernetzung vom 28.2. – 2.3.2014 in Erfurt

Wir sind eine Vernetzung von Gruppen und Einzelpersonen freier Film-schaffender, die fernab von TV- Sendern und kommerziellen Produktionsfirmen mit einem sozialkritischen Anspruch Filmarbeit macht. Die Themen der teilnehmenden Personen, informellen Gruppen und Vereine bewegen sich bisher im Spannungsfeld zwischen Protestbewegungen, Sozialkritik, Ökologie, Selbstorganisation – im weitesten Sinne also Themen rund um linke außerparlamentarische Politik. Die meisten von uns stellen ihre Arbeiten unter freie Lizenzen ohne Copyrightschutz, so dass eine Weiterverbreitung der Filme unkompliziert möglich wird (z.B. Creative Commons Lizenzen).

Wir würden uns freuen, wenn Du/Ihr zu dem Treffen in Erfurt hinzukommst! Organisiert wird das Treffen von den Filmpiraten in Erfurt.

2013 gab es bereits zwei Treffen dieser Art. Zum einen im Frühjahr auf Einladung von Graswurzel TV in Lüneburg, zum anderen im Spätsommer auf dem Wukaniahof bei Berlin. Ziel der Treffen sind die Vernetzung und der Austausch von unabhängigen Filmemacher*innen.

Eines der Ziele dieses dritten Treffens ist die Schaffung eines gemeinsamen Online-Portals für Videoaktivist*innen. So sollen neue Ausspiel- und Verbreitungswege für unabhängige Filmemacherinnen geschaffen und Potenziale bei der Verbreitung unserer Filme und Videos gebündelt werden. Daneben sind Arbeitsgruppen und Plenarsessions zu folgenden Themen geplant:

  • Blick über den Tellerrand – was machen die anderen so? Vorstellung von Gruppen, Einzelpersonen und die Motivation Filme zu machen (möglich in Kombination mit einem Filmabend)
  • Selbstkritischer Blick: “Videoaktivismus zwischen Propaganda, Öffentlichkeitsarbeit und Graswurzeljournalismus”
  • Vorbereitung der Videoaktivist*innen-Medienwerkstatt im Sommer auf dem Wukaniahof (bei Berlin) 8.-13. Juli 2014
  • Austausch zur Finanzierung von politischen Filmprojekten
  • Austausch zu Aufbau von Videobeiträgen, Kameraführung und
    Videoschnitttechniken
  • Wege zum gemeinsamen Videoaktivist*innen-Portal im Internet.
  • Und keinen Interessiert’s – Wie könnten Graswurzelmedien relevant werden?

Das Treffen ist offen für Interessierte, eine Anmeldung wäre aber trotzdem erfoderlich, damit wir besser für Übernachtungen und Essen planen können. Einfach bei den unter Kontakt gegebenen Möglichkeiten melden. Wenn Du ein Thema vermisst, dann erwähne diese bitte in Deiner Anmeldungsmail. Ein festes Programm wird auf Basis eines konkreten Vorschlags des Planer*innenteams am ersten Abend im Plenum festgelegt.

Für die gesamte Vernetzung 2014 haben wir als Filmpiraten bei Jugend in Aktion Fördergelder beantragt, damit die entstehenden Kosten nicht bei Einzelpersonen oder Gruppen hängen bleibt.

Was interessiert dich an Blockupy?

Edit 19.05.2014
Aufgrund von mangelnden Kapazitäten konnten wir leider die meisten Projekte zu den Blockupy-Aktionstagen nicht umsetzen. Jedoch ist nach Blockupy vor Blockupy: Im Herbst diesen Jahres wollen wir wirklich am Start sein. Vielen Dank an alle, die bei unserer Umfrage mitgemacht haben.

Wir als Filmpiraten wollen bei den diesjährigen Blockupy-Aktionstagen vom 15. bis 25. Mai mit unseren Videokameras am Start sein. Leider können wir durch die dezentrale Aktionsform nicht bei allen Aktionen dabei sein. Wir haben uns deshalb mehrere Gedanken zu Blockupy gemacht und sind auf mögliche Themen getroßen. Welche Filmideen in Form eines Videobeitrags interessieren dich am meisten im Zusammenhang mit den Blockupy-Aktionstagen im Mai 2014?
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Filmpremiere – Filmpiraten in Istanbul

Einige Filmpiraten verbrachten ihren Sommer in Istanbul und filmten die Nachwirkungen der Gezi-Proteste. Nun wollen wir die vier Kurzdokumentationen zum ersten Mal präsentieren und darüber mit euch in Diskussion treten.

Es gibt mehrere Kurzfilme zu folgenden Themen:

  • Der Gezi-Widerstand
  • Ein Anarchistisches Café
  • Die Gezi-Organisierung von unten
  • Eine feministische Demonstration

Filmpremiere | 10. Dezember 2013 | 19 Uhr | Radio F.R.E.I. | Gotthardtstr. 21 | Erfurt

„Lass uns mal nen Film machen“ – Neun Jahre Filmpiraten

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9 Jahre ist es nun her, seitdem der erste Mensch für eine Dokumentation der Filmpiraten den Rec-Button einer Kamera gedrückt hatte.
Angefangen hatte alles an einem der ersten kalten Septemberabende 2004 im südthüringischen Meiningen. Zu einem Vorbereitungstreffen kamen (am Ende) nur zwei Leute, der Rest sollte dann spontan zum Tag der deutschen Einheit in Erfurt dazustoßen. Ausgerüstet mit zwei Kameras, zwei Stativen und einem Mikrofon starteten dann am 2. und 3. Oktober 2004 fünf Menschen, um „irgendeinen kritischen Film über die offiziellen Feiern zum Tag der deutschen Einheit in Erfurt“ zu machen. Am ersten der Tage war die Innenstadt noch recht überschaubar. Die Herausforderung wildfremde Leute anzusprechen, kostete einiges an Überwindung. Anders war es dann jemanden von der lokalen anti-nationalen Gruppe p83 zu interviewen. Das Interview dauerte damals eine halbe Stunde.

Am eigentlichen Feiertag, dem 3. Oktober 2004, war die Erfurter Innenstadt mit Menschenmassen überfüllt. Lokale linke Gruppen hatten zu anti-nationalen Protesten aufgerufen. Die Polizei war sichtlich deswegen nervös und kontrollierte jeden und jede, der/die ein „potentielle/r Störer/in“ sein könnte. So kamen wir damals das erste Mal während des Filmens mit der Polizei in Konflikt. Obwohl wir aus weiter Entfernung eine Polizeikontrolle gefilmt hatten, kam die Polizei auf uns zu und verlangte, das wir die Aufnahmen löschen sollen, schließlich konnten wir uns nicht als Pressevertreter ausweisen. Auf die Androhung in Gewahrsam zu kommen und eine Anzeige wegen Verstoß gegen das Recht am eigenen Bild zu bekommen, haben wir dann das Videomaterial gelöscht. Selbst die Argumentation, das wir die Polizisten nicht in Nahaufnahme gefilmt hatten, ließ sie damals nicht überzeugen. Dieses Erlebnis war sicher einer der Grundsteine für das herzliche Verhältnis zwischen Polizei und Filmpiraten für die kommenden Jahre (Fortsetzung folgt).
Im Jahr 2004 war innerhalb der Radikalen Linken die Israel-Debatte in Erfurt noch im vollen Gange. Die „antideutsche Fraktion“ hatte für den Nachtmittag zu einer israel-solidarischen „Deutschland hassen!“-Demonstration aufgerufen. Innerhalb der Erfurter Linken war diese Demonstration damals stark umstritten. Neben abstrakten Redebeiträgen über Horkheimer und Adorno hatte die damals noch relativ unbekannte Combo Egotronic auf dieser Demo gespielt. Verglichen mit den heutigen Konzerten von Egotronic was es damals ein sehr kleines, sehr zurück haltendes und stilles Publikum.
In der Summe hatten wir damals knapp zwei Stunden Rohmaterial gedreht, die dann am Ende in Heimarbeit zusammen gebastelt wurden. Aus heutiger Sicht ein ganz schöne Frickelei. Am 20. Oktober war das Video dann fertig geschnitten und ca.15 Minuten lang. Youtube gab es damals Filmpiratenlogo500noch nicht. Das Video wurde damals direkt auf Indymedia hoch geladen und hatte damals kaum Bedeutung erlangt.
Aus heutiger Sicht ist die originale 15-Minuten-Fassung nicht mehr ansehnlich und deshalb haben wir diese die letzten Jahre auch nicht öffentlich gezeigt. Seit dem ersten Videoaufnahme sind nun genau 9 Jahre vergangen. Ein Grund mehr sich zurück zu lehnen, eine Flasche Sekt rauszuholen und eine modifizierte und gekürzte Fassung dieser anti-nationalen Dokumentation anzuschauen.

Heute am Mittwoch | 2. Oktober 2013 | Offener Filmpiraten-Stammtisch | mit Sekt und Geburtstagsgrüßen | 19Uhr | Radio F.R.E.I. | Erfurt

Filmpiraten bekommen Profi-Kamera gespendet

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Seit ca. einer Woche sind die Filmpiraten wieder arbeitsfähig. Vielen Dank an Peter aus Bremen, der den Filmpiraten eine ältere, jedoch sehr gute Videokamera gespendet hat. Seit ca. einer Woche arbeiten wir bereits wieder an neuen Ideen und Filmprojekten.
Trotz der neuen Kamera sind wir jedoch weiterhin auf Unterstützung angewiesen. Wir brauchen weiterhin einen neuen Computer, mit dem wir Videos bearbeiten können. Zusätzlich stellen uns Fahrtkosten und fehlendes Technikzubehör immer wieder vor Herausforderungen. Deswegen wäre es sehr hilfreich, wenn du Fördermitglied der Filmpiraten wirst. Lade dazu einfach den Antrag auf Fördermitgliedschaft herunter, fülle ihn aus und schicke ihn an unsere Vereinsadresse.

Wir brauchen deine Unterstützung!

Blockupy und die kaputte Filmpiraten-Kamera
Wie du vielleicht mitbekommen hast, hat ein Polizist die Filmpiraten-Kamera während der Blockupy-Aktionstage in Frankfurt beschädigt. Mit Hilfe einer Anwältin versuchen wir zur Zeit vom hessischen Innenministerium Schadensersatz zu fordern. Wenn das hessische Innenministerium überhaupt zahlt, gehen wir davon aus, dass es eine längere juristische Auseinandersetzung geben wird. Fakt ist, dass die Kamera kaputt ist und die Reparatur so viel kostet, dass die Kamera nicht mehr wirtschaftlich repariert werden kann. Da wir für unsere Arbeit in der Regel nicht bezahlt werden, stellt uns diese Situation zukünftig vor ein großes Problem.

Wir brauchen neue Videotechnik

Wie so vieles in dieser Welt hängt vieles am Geld. Wir brauchen eine neue zeitgemäße Kamera, um weiter effektiv arbeiten zu können. Zusätzlich zur Kamera ist die Anschaffung eines neuen Schnittcomputers nötig. Bisher wurden die Videos auf einem privaten Computer geschnitten, der jedoch für zeitgemäße HD-Videos nicht mehr ausreicht. Ein neuer Projekt-PC, an einem für alle Filmpirat*innen zugänglichem Ort, soll mehr Freiheit der einzelnen Aktivist*innen ermöglichen. Falls eure Spenden unser den Finanzierungsbedarf der Technik übersteigt, wollen wir das überschüssige Geld für Fahrtkosten der VideoaktivistInnen verwenden, bisher sind diese sehr oft auf eigene Kosten unterwegs.

Wer sind die Filmpiraten
Die FilmpiratInnen sind ein freies Videokollektiv, die seit 2004 von Bewegungsereignissen berichten. Dazu gehört die Begleitung von Demonstrationen und direkten Aktionen, aber auch thematische Dokumentationen. Die Berichterstattung erfolgte überwiegend aus Thüringen, aber auch von bundesweiten Aktionen, wie zum Beispiel Blockupy in Frankfurt oder Castorproteste im Wendland. Ein bekanntes Video ist der Angriff von Neo-Nazis mit Baseballschlägern auf eine Antifa-Demonstration in Wismar. Darüber hinaus entstanden Dokumentationen über die Proteste gegen die die Gedenkrituale in Dresden, das besetzte Topf & Söhne-Gelände in Erfurt und über die Kritik an der Gutscheinvergabe an Flüchtlinge.
Die FilmpiratInnen bieten „eine andere Perspektive“, weil wir aus der Sicht von AktivistInnen berichten. Dabei spielen die subjektiven Sichtweisen der AkteurInnen eine größere Rolle als eine objektive Berichterstattung, da es reine Objektivität aus unserer Sicht nicht gibt. Wir bieten AktivistInnen ein Podium ihre Inhalte und Aktionen zu verbreiten und sehen uns als GraswurzelaktivistInnen, da wir die Stimmen von unten aufzeigen und weniger die Meinungen von Funktionären des politischen Geschehens darstellen. Damit wollen wir die Menschen und Geschehnisse hinter den Berichten der Alltagspresse zeigen und auf Themen aufmerksam machen, die es nicht so umfangreich in die Mainstream-Presse schaffen oder von der Mainstream-Presse ignoriert werden.

Unterstützerverein gegründet
Wir wollen weiter arbeiten. Ohne Unterstützung ist dies weiterhin nicht möglich. Der Zugang zu unseren Videobeiträgen ist kostenlos, aber kostenlos heißt nicht umsonst. Bisher wurden unsere Videos größtenteils durch unser eigenes Geld finanziert. Auf Dauer ist können wir uns das nicht leisten. Aus diesem Grund haben wir im Februar diesen Jahres einen Verein unter dem Namen „Filmpiratinnen und Filmpiraten e.V.“ ins Leben gerufen. Die Idee hinter der Vereinsgründung ist es, viele finanzielle Unterstützer*innen für das Filmpiraten-Projekt zu finden, damit wir in der Lage sind, uns zu vergrößern und an komplexeren Videoprojekten zu arbeiten.

Wir brauchen deine Unterstützung!
Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie du uns unterstützen kannst. Die einfachste und für uns beste Unterstützung ist die Fördermitgliedschaft in unserem Verein. Lade dazu einfach den Antrag runter, fülle ihn aus und schicke ihn an die offizielle Vereinsadresse. Natürlich kannst du auch ohne Mitgliedschaft spenden. Wir freuen uns genauso über einmalige Spenden. Die Kontoverbindung findest du hier. Uns ist auch schon sehr viel geholfen, wenn du unser Spendenanliegen an Freund*innen und Bekannte weiter gibst. Natürlich suchen wir auch immer Leute, die das Projekt organisatorisch, redaktionell oder künstlerisch unterstützen.