Die Filmpirat*innen bekommen den Thüringer Demokratiepreis 2015

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Unsere Dankesrede für den Thüringer Demokratiepreis:

Sehr geehrte Damen und Herren, Anwesende, liebe Freundinnen und Freunde,

vielen Dank für den Thüringer Demokratiepreis 2015. Wir sind ein Kollektiv von Graswurzeljournalist*innen aus Erfurt und darüber hinaus. In den letzten 10 Jahren haben wir knapp 100 unkommerzielle Internetvideos gedreht. Dabei haben wir uns mit vielen Themen und Fragen beschäftigt, insbesondere mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Angefangen haben wir 2004 mit einer Videodokumentation, die sich kritisch mit nationaler Identität auseinandersetzt. Die Frage lautete damals, inwiefern nationale Identität Ausgrenzung schafft. Ausgrenzung derer, die per Definition nicht zur nationalen Gruppe dazugehören. Der Übergang von der nationalen Identität zum Nationalismus scheint dabei fließend zu sein und ist eine Grundlage rechtsextremer Weltanschauung.

Eines der größeren Filmprojekte der letzten 10 Jahre war die geschichtliche Auseinandersetzung der Besetzung des Topf&Söhne-Geländes. Unsere Frage damals lautete, wie können auf so einem historischen Ort Punk-Konzerte und Parties statt finden?

Nun, bei der NPD gibt es seit Jahren das sogenannte 3-Säulen-Konzept: Kampf um die Köpfe, Kampf um die Parlamente und der Kampf um die Straße. Heute, 6 Jahre nach der Räumung des besetzten Topf&Söhne-Geländes, ist die öffentliche Aktivität von Neonazis in Erfurt merklich stärker geworden. Das besetzte Topf&Söhne-Gelände war ein Ort antifaschistischer Gegenkultur und maßgeblicher Gegenpart zur NPD mit ihren Konzept „Kampf um die Straße“.

Der bekannteste Kurzfilm der Filmpirat*innen entstand in Wismar 2006. Mehrere Neonazis mit Baseballschlägern stürmen auf eine antifaschistische Demonstration zu. Nur die wenigen anwesenden Polizisten konnten diese damals mit gezogenen Pistolen stoppen. Dieses Video wurde inzwischen Millionen mal gesehen und hatte innerhalb sozialer Netzwerke zu einer stärkeren Auseinandersetzung mit militanten Neonazis geführt.

Ein Thema was uns ebenfalls seit Jahren begleitet, sind die Kämpfe von Geflüchteten in Deutschland. Zu einer filmischen Auseinandersetzung mit dem Gutscheinsystem für Asylbewerber*innen kam es im Jahre 2012 zusammen mit dem Flüchtlingsrat Thüringen. Wir begleiteten Asylbewerber mit versteckter Kamera beim Einkaufen. Dabei offenbarten sich diskriminierende Situationen an den Supermarktkassen. Kurz nach Veröffentlichung wurde damals die Praxis der Gutscheine in Thüringen und in anderen Bundesländern überdacht. Dieser Videobeitrag hat inzwischen mehr als 50 000 Menschen im Internet erreicht.

Ich kann an dieser Stelle noch über viele andere der 100 Filmprojekte erzählen. Sei es über das Musikvideos des Asylbewerbers MC Nuri, unsere Dokureihe über die fremdenfeindlichen Proteste in Greiz oder über die sogenannten „Montagsmahnwachen“, bei denen wir kritisch über neurechte, nationalistische und antisemitische Tendenzen berichteten.

Viel entscheidender ist jedoch, das wir aktuell durch die größte europäische Rechtsaußen-Partei bedroht werden. Seit Ende 2014 verklagt uns die FPÖ mit einen Streitwert von 35 000 €. Als wir im Januar diesen Jahres nach Wien gefahren sind, ist uns die Dimension dieser Klage erstmals richtig bewusst geworden. Andere Betroffene von FPÖ-Klagen erzählten uns, dass dahinter ein System der Angst stecke. Die FPÖ verstehe sich als Law-and-Order-Partei und sei in Österreich dafür bekannt, politische Gegner, Journalist*innen und Zeitungen zu verklagen. Dabei setze die FPÖ den Streitwert ihrer Klagen bewusst sehr hoch an, um die Anwaltskosten ihrer politischen Gegner in die Höhe zu treiben. So müssen wir aktuell 10 000€ Anwaltskosten aufbringen, um das Verfahren in der ersten Instanz zu bestreiten. So irrsinnig dieses Verfahren ist, so versucht die FPÖ das Verfahren durch die finanzielle Hintertür zu gewinnen. Ein Angriff auf die Pressefreiheit? Ein Angriff auf die Zivilgesellschaft? Wir sind nur ein kleiner gemeinnütziger und ehrenamtlich tätiger Verein.Die FPÖ lähmt uns massiv durch die Klage. Während Pegida die letzten Monate deutschlandweit ihre fremdenfeinlichen Inhalte verbreiten konnte, mussten wir in in Erfurt unseren Prozess vorbereiten. Wahrscheinlich wird dieses Verfahren noch 3 bis 7 Jahre dauern und mehrere 10 000 Euro kosten.

Für unser Engagement gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit werden wir von rechter Seite wie der FPÖ angegriffen. Die FPÖ konnte bei der gestrigen Landtagswahl in Österreich über 27% der Stimmen erreichen. Wir haben noch viel zu tun. Der Thüringer Demokratiepreis bestätigt uns in unseren Handeln, im Kampf gegen Neonazis, gegen Rassismus und für eine solidarische Gesellschaft. Wir freuen uns für diese Anerkennung. Vielen Dank.

3 Gedanken zu „Die Filmpirat*innen bekommen den Thüringer Demokratiepreis 2015

  1. ich seid ein haufen linkes drechspack so siehts aus raus mit euch aus deutschland und der eu

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