3 Gedanken zu „Hausbesetzung in Jena – Interview mit Besetzer*innen

  1. Habe ich hier irgendwas verpasst?
    Aus welcher Art von Familienverhältnissen kommen diese Aktivisten eigentlich? Geschieht deren Handeln eigentlich mit Wissen ihrer Eltern, die ja in vielen Fällen selbst Eigentümern von Grund und Boden sind? Sicher oft „irgendwo auf dem Dorf“, aber dennoch alimentieren sie doch wohl ihre Kinder! Wissen sie eigentlich, wofür sie sich das Geld vom Munde absparen, um ihren Kindern ein sorgenfreies Studium zu ermöglichen?
    Um ihre kruden und ach so kapitalismusfeindlichen Fantasien „frei“ und ungehindert ausleben zu können, sollten die ein fremdes Haus okkupierenden Ziellosen ihr Glück womöglich mal in Nordkorea versuchen! Dort warten ihre Gesinnungsgenossen nur auf sie.
    Und warum sind diese „Helden“ eigentlich zu feige, der breiten Öffentlichkeit, die sie ja vorgeblich suchen, ihr unvermummtes Gesicht zu zeigen?

    • Das Eigentum sorgt, einmal eingerichtet und mit staatlicher Gewalt durchgesetzt, dafür, dass die Dinge von denen getrennt sind, die sie brauchen und denen gehören, die sie gar nicht gebrauchen wollen:
      Kein Hauseigentümer will in all seinen Häusern selbst wohnen. Er besitzt sie lediglich, um 1. alle anderen von den Häusern auszuschließen und 2. daran zu verdienen, sie gegen Geld dann doch rein zu lassen.
      Umgekehrt diejenigen, die darin wohnen wollen, können das erst mal nicht. Bevor sie das Haus – das der Eigentümer selbst ja gar nicht benutzen will – bewohnen können, müssen sie ihm dafür eine Abfindung zahlen.

      Das ist keine antikapitalistische Fantasie, sondern eine sachliche Beschreibung der hiesigen Verhältnisse.

  2. Lieber Avner,
    ich bin traurig darüber, dass du so polemisch argumentierst. 1. weißt du nicht welche familiären Hintergründe die Besetzer*innen haben und es spielt auch gar keine Rolle. Die Motive sind altruistisch, das ist nicht von der Hand zu weisen. Hier geht es niemanden darum jemanden eine Wohnung wegzunehmen der/die sie braucht. Hier geht es darum, dass dieses Gebäude seit 5 Jahren (!!) leer steht, währenddessen Studierende, Familien mit unterdurchschnittlichen Einkommen, Einzelpersonen etc. händeringend nach bezahlbaren Wohnraum suchen. Dabei sind einige Häuser hier in Jena in mehr als fraglichen Zustand und die Vermieten haben unglaubliche macht, da Wohnraum eine knappe Ressource ist hier. Niemand fragt nach ob das fair ist, weil es einfach hingenommen wird. 2. Thema Vermummung. Heute haben einige Polizist*innen sich äußerst agressiv gegenüber friedlichen Demonstrant*innen gezeigt. Ein Polizist hat getreten und sogar einem Mädchen an die Gurgel gegriffen, Türen verriegelt die offenbar als Notausgang gekennzeichnet wurden. Dafür gibt es Videobeweise und es wird auf die Polizei zurückfallen. Jedoch wie schwer ist es sich gegen Polizeigewalt zu schützen und auch zu wehren (durch Anzeige stellen) wenn sie wiederum in Thüringen quasi vermumt und anonym unterwegs sind. Sie tragen keine Personalnummer und haben sich heute auch geweigert diese zu nennen. Wir sehen uns damit einer Staatsmacht ausgeliefert in dem physische Überlegenheit und Gewalt ein wichtigere Demonstration der Staatsmacht ist als friedlich in den Diskurs zu treten. 3. Was hat das mit Nordkoreo zu tun? Was hat es damit zu tun, wenn versucht wird Räume für alle Menschen zu schaffen? Für alte Menschen, die sich allein fühlen; für Geflüchtete die teilweise allein gelassen werden in Jena und sich schlecht orientieren können in einem Land dessen Sprache sie nicht sprechen etc. Ich könnte noch weitergehen. Fakt ist dieses Gebäude steht leer und es gibt unzählige motivierte, kreative und unglaublich liebenswürdige Menschen, deren Plan es ist eine bessere Stadt für alle zu schaffen; deren Idee es ist, dass die Stadt den Menschen gehört und nicht die Menschen der Stadt.
    Liebe Grüße
    J.

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