„Lass uns mal nen Film machen“ – Neun Jahre Filmpiraten

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9 Jahre ist es nun her, seitdem der erste Mensch für eine Dokumentation der Filmpiraten den Rec-Button einer Kamera gedrückt hatte.
Angefangen hatte alles an einem der ersten kalten Septemberabende 2004 im südthüringischen Meiningen. Zu einem Vorbereitungstreffen kamen (am Ende) nur zwei Leute, der Rest sollte dann spontan zum Tag der deutschen Einheit in Erfurt dazustoßen. Ausgerüstet mit zwei Kameras, zwei Stativen und einem Mikrofon starteten dann am 2. und 3. Oktober 2004 fünf Menschen, um „irgendeinen kritischen Film über die offiziellen Feiern zum Tag der deutschen Einheit in Erfurt“ zu machen. Am ersten der Tage war die Innenstadt noch recht überschaubar. Die Herausforderung wildfremde Leute anzusprechen, kostete einiges an Überwindung. Anders war es dann jemanden von der lokalen anti-nationalen Gruppe p83 zu interviewen. Das Interview dauerte damals eine halbe Stunde.

Am eigentlichen Feiertag, dem 3. Oktober 2004, war die Erfurter Innenstadt mit Menschenmassen überfüllt. Lokale linke Gruppen hatten zu anti-nationalen Protesten aufgerufen. Die Polizei war sichtlich deswegen nervös und kontrollierte jeden und jede, der/die ein „potentielle/r Störer/in“ sein könnte. So kamen wir damals das erste Mal während des Filmens mit der Polizei in Konflikt. Obwohl wir aus weiter Entfernung eine Polizeikontrolle gefilmt hatten, kam die Polizei auf uns zu und verlangte, das wir die Aufnahmen löschen sollen, schließlich konnten wir uns nicht als Pressevertreter ausweisen. Auf die Androhung in Gewahrsam zu kommen und eine Anzeige wegen Verstoß gegen das Recht am eigenen Bild zu bekommen, haben wir dann das Videomaterial gelöscht. Selbst die Argumentation, das wir die Polizisten nicht in Nahaufnahme gefilmt hatten, ließ sie damals nicht überzeugen. Dieses Erlebnis war sicher einer der Grundsteine für das herzliche Verhältnis zwischen Polizei und Filmpiraten für die kommenden Jahre (Fortsetzung folgt).
Im Jahr 2004 war innerhalb der Radikalen Linken die Israel-Debatte in Erfurt noch im vollen Gange. Die „antideutsche Fraktion“ hatte für den Nachtmittag zu einer israel-solidarischen „Deutschland hassen!“-Demonstration aufgerufen. Innerhalb der Erfurter Linken war diese Demonstration damals stark umstritten. Neben abstrakten Redebeiträgen über Horkheimer und Adorno hatte die damals noch relativ unbekannte Combo Egotronic auf dieser Demo gespielt. Verglichen mit den heutigen Konzerten von Egotronic was es damals ein sehr kleines, sehr zurück haltendes und stilles Publikum.
In der Summe hatten wir damals knapp zwei Stunden Rohmaterial gedreht, die dann am Ende in Heimarbeit zusammen gebastelt wurden. Aus heutiger Sicht ein ganz schöne Frickelei. Am 20. Oktober war das Video dann fertig geschnitten und ca.15 Minuten lang. Youtube gab es damals Filmpiratenlogo500noch nicht. Das Video wurde damals direkt auf Indymedia hoch geladen und hatte damals kaum Bedeutung erlangt.
Aus heutiger Sicht ist die originale 15-Minuten-Fassung nicht mehr ansehnlich und deshalb haben wir diese die letzten Jahre auch nicht öffentlich gezeigt. Seit dem ersten Videoaufnahme sind nun genau 9 Jahre vergangen. Ein Grund mehr sich zurück zu lehnen, eine Flasche Sekt rauszuholen und eine modifizierte und gekürzte Fassung dieser anti-nationalen Dokumentation anzuschauen.

Heute am Mittwoch | 2. Oktober 2013 | Offener Filmpiraten-Stammtisch | mit Sekt und Geburtstagsgrüßen | 19Uhr | Radio F.R.E.I. | Erfurt