„Deutschland, Deutschland, über alles“ beim Burschentag


Alle Jahre wieder treffen sich mehrere Hundert Burschenschafter in Eisenach zum „Burschentag“. Bereits im letzten Jahr ist es bei diesem Treffen zum Eklat gekommen, als der sogenannte „Arier-Paragraph“ in die Satzung des Dachverbandes der Deutschen Burschenschaft eingeführt werden sollte. Auch in diesem Jahr ist die Versammlung des „Studentenbundes“ mit einem Skandal verlaufen: der Versuch von konservativen Burschenschaften den Nazi Norbert Weidner abzuwählen scheiterte. Letztendlich kein Wunder. Wie auch das Video zeigt, haben die Burschenschaften seit langem keine Hemmungen mehr sich in einer nationalistischen Ästhetik zu inszenieren. Beim sogenannten „Totengedenken“, bei denen sie ihrer gefallenen Kameraden der Weltkriege gedenken, marschieren sie im Gleichschritt und frönen sogar das Deutschlandlied in allen 3 Strophen. Direkte Proteste gegen diese Inszenierung gab es keine.
Am vergangenem Samstag (2.Juni ’12) fand unter dem Motto „Den Burschentag zum Desaster machen“ eine Gegendemonstration von ca 300 Teilnehmern statt. Philipp vom „Bündnis gegen Burschentage“ erklärt die Hintergründe des Protests. Weitere Hintergründe zum diesjährigen Burschentag gibt es bei der taz. Das Video kann auch im Filmpiraten-Youtube-Kanal oder auf facebook angeschaut werden.

17 Gedanken zu „„Deutschland, Deutschland, über alles“ beim Burschentag

  1. Sehr geehrte Filmpiraten,

    ich habe ihr Video gerade gesehen und mich gefragt, was an der Sache so schlimm sei. Zumal ist das „Lied der Deutschen“ keineswegs verboten! Und was soll daran verwerflich sein, dass man an die Verstorbenen denkt? Jeder sollte geehrt werden, der für sein Land oder im Kampfe gegen ein Terrorregime gefallen ist.

    Man sollte vielleicht auch erwähnen, dass der Burschentag stattfindet, weil Studentenverbindungen, ja auch die so verschriehenen Burschenschaften, unsere heutige Regierungsart, Demokratie, erst ermöglich gemacht haben. Sie haben für eine Demokratie „gekämpft“ und das wohl bekannte Wartburgfest war nun einer der wichtigsten Ereignisse in diesem Kampf. Und wie jeder auch wissen sollte ist seit dem in Deutschland eine Demokratie!

    Und zu dem Weidner-Problem: Er meinte „rein juristisch gesehen“, was impliziert, dass es damit das Gesetz von der Zeit gemeint ist. Er hat es extra so formuliert, weil es in der Zeit, und NUR in der Zeit gerechtfertig war. Er meinte keines Weges dass es heute gerechtfertig ist.

    Ich würde mich freuen wenn in nächster Zeit eine neutralere Stellungsnahme zu jeglichen Angelegenheiten zu sehen ist, weil nur so kann dem Volke die Freiheit der Meinungsbilung ermöglicht werden. Durch stellungsgeprägte Artikel ist dies Leider nicht Möglich.

    • Geben Sie’s auf. Mit Argumenten ist hier nicht beizukommen, das ist reine Energieverschwendung. Jene, die formulieren wie oben, haben längst ein grässliches Zerrbild der verbindungsstudentischen Realität als Wahrheit eingeprügelt bekommen, und das lässt sich leider nicht mehr rückgängig machen. Insbesondere mit nüchterner Logik ist das unmöglich, der sind Hassprediger jeglicher Couleur im Allgemeinen nicht zugänglich.

    • Hallo Reporter,

      ich glaube, wir haben da unterschiedliche Massstäbe, was gut und was falsch ist.

      „Und was soll daran verwerflich sein, dass man an die Verstorbenen denkt? Jeder sollte geehrt werden, der für sein Land oder im Kampfe gegen ein Terrorregime gefallen ist.“

      Warum sollte jede_r geehrt werden, die_der für „sein Land“ fällt? Meiner Meinung nach ist es ehr von Nachteil, wenn Menschen sich von nationalistischer/nationalsozialistischer Propaganda dazu bringen lassen, in den Krieg zu ziehen und dann getötet werden, wie dies in dem 1. und 2. Weltkrieg der Fall war.
      Und dass etwas nicht verboten ist, sollte keineswegs ein Argument für dessen Richtigkeit darstellen. Oder können Sie dies irgendwie begründen?

      Dass Burschenschaftler für eine sogenannte „Demokratie“ gekämpft haben sollen, rechtfertigt für mich auch keine patriarchale und nationalistische Ideologie, die durch Fakeltragen und Menschen ausschließen und verachten, die nicht der einen Hautfarbe oder „Geschlecht“ oder sonst was zugehörig sind, repräsentiert wird.

      Ich finde, Sie bleiben ehr einer „neutralen“ (falls es sowas gibt) Stellungnahme schuldig, weil ihr Weltbild – wie wohl das des Großteils der Gesellschaft – nationalistisch und patriarchal geprägt ist und dies der Normalzustand ist, was sich schon in der im letzten Absatz formulierten „Volksfreiheit“ entnehmen lässt, welche ein Konstrukt reproduziert, dass auf Ausschließung und Chauvinismus basiert.

      Aber vielleicht gebe ich es wirklich auf. Mit Argumenten scheint hier nicht bei zukommen zu sein. Wir sollten lieber zur Tat schreiten und Burschentage zum Desaster machen!

      • Sie beide verstehen da etwas falsch. Es war ein Totengedenken. Und ich kann das bei wahrlich jedem Toten praktizieren, weil er Mensch ist.

        „die nicht der einen Hautfarbe oder “Geschlecht” oder sonst was zugehörig sind“

        Es gibt Menschen mit schwarzer Hautfarbe (Felix C.) oder gelber (kai ming Au) oder Homosexuelle in der DB. Und zum Thema Geschlecht ist mir die Unterscheidung zwischen sozialem, biologischen und des Identitätsgeschlechtes bekannt, aber ich kann Ihnen weder Pro noch Contra geben, da mir nichts über Fälle bekannt ist und ich nur eine Einzelperson bin. Falls ich beim biologischen Geschlecht bleibe, dann ist der Fall klar. Es gibt ohne Zweifel Verbindungen die ihre Unterstellungen erfüllen. Warum sind denn dann viele andere Verbindungen abseits der DB nicht gemischt, sondern vielleicht auch Frauenverbindungen? Das Problem an gemischten Verbindungen sind zerbrochene Beziehungen innerhalb des Bundes und so den ganzen Bund spalten könnten. Und das billigste Argument gegen den Vorwurf der Männerbünde: Es gibt auch Frauenverbindungen. Falls Sie jetzt mit Seilschaften argumentieren, dann liegen Sie falsch. Wer sich nicht bewährt hat durch Vertrauensvorschuss ein großes Problem und mittlerweile gibt es auch gutes Quality Management in Unternehmen.

        „Aber vielleicht gebe ich es wirklich auf. Mit Argumenten scheint hier nicht bei zukommen zu sein. Wir sollten lieber zur Tat schreiten und Burschentage zum Desaster machen!“

        Das liegt wahrlich nicht an Ihnen, dass der liberale (in anderen Auffassungen pragmatische) Flügel die Situation der DB unhaltbar erscheint. Die Gründe dafür können Sie Medienberichten entnehmen. Provokationen der Demonstranten und der Gegenseitige bringen keinen vorwärts, sondern radikalisieren nur die Gegenseite. Meine Beobachtung war, dass man sich durchweg über die Demo amüsiert hat. Manche waren noch erbost, dass in Coburg ein 81-Jähriger Mann auf Krücken verprügelt wurde, um ihn die Mütze zu stehlen – was für eine ehrenhafte Tat – oder die gewalttätigen Ausschreitungen am WKR-Ball. „Dann soll ihre blinde Frau halt nicht zum Ball gehen!“.
        So sehr mir persönlich viele Teilnehmer und Redner gegen den Strich gehen ist Gewalt das falsche Mittel. Und dort egal ob von Demonstranten gegenüber der Polizei (auch verbale Gewalt ist Gewalt) oder von der Polizei gegenüber den Demonstranten. In meinem politischen, gesellschaftlichen Dunstkreis ist mir der FSA09 Fall bekannt.

        Die Mitglieder der Verbindungen, die mir bekannt sind, sind immer nur ein Spiegelbild der Gesellschaft. Es gab die 68er, die Kiffer usw.. Und ich wehre mich vehement gegen des Ausdruck des Nationalismus. Leider ist auch Patriotismus negativ assoziiert. Dann kommt man direkt in die Ecke der Ausländerfeinde. Das deutsche Kulturgut ist keineswegs statisch und wird von jedem Gesinnungsdeutschen geprägt und deshalb freut mich z.B. bis heute: „Der Islam gehört zu Deutschland“.

  2. respekt an die organisierenden eine inhaltlich wichtige demo in der thüringer provinz mit 300 Leuten durchzuziehen! Ich habe da sehr viel Respekt! Grüsse!

  3. Pingback: 400 gegen den Burschentag in Eisenach « L I S A : 2 – Marburg

  4. eigentlich gilt es hier nur heine zu zitieren:
    „Auf der Wartburg krächzte die Vergangenheit ihren obskuren Rabengesang, und bei Fackellicht wurden Dummheiten gesagt und getan, die des blödsinnigsten Mittelalters würdig waren! (…) Auf der Wartburg herrschte jener beschränkte Teutomanismus, der viel von Liebe und Glaube greinte, dessen Liebe aber nichts anderes war als Haß des Fremden und dessen Glaube nur in der Unvernunft bestand, und der in seiner Unwissenheit nichts Besseres zu erfinden wußte als Bücher zu verbrennen! Ich sage Unwissenheit, denn in dieser Beziehung war jene frühere Opposition, die wir unter dem Namen ‚die Altdeutschen‘ kennen, noch großartiger als die neuere Opposition, obgleich diese nicht gar besonders durch Gelehrsamkeit glänzt. Eben derjenige, welcher das Bücherverbrennen auf der Wartburg in Vorschlag brachte, war auch zugleich das unwissendste Geschöpf, das je auf Erden turnte und altdeutsche Lesarten herausgab: wahrhaftig, dieses Subjekt hätte auch Bröders lateinische Grammatik ins Feuer werfen sollen!“

    danke fürs video-uploaden!

    • Es ist bekannt, dass Heine zwar nur kurz Burschenschafter, dennoch aber zeitlebens wenigstens im Herzen boeser Burschi war, gar ein extraboes schlagender?

      „““
      Die lieben Westfalen, womit ich so oft
      in Goettingen getrunken,
      bis wir geruehrt einander ans Herz
      und unter die Tische gesunken!

      Ich habe sie immer so lieb gehabt,
      die lieben, guten Westfalen –
      ein Volk so fest, so sicher, so treu,
      ganz ohne Gleissen und Prahlen.

      Wie standen sie praechtig auf der Mensur
      mit ihren Loewenherzen.
      Es fielen so grade, so ehrlich gemeint
      die Quarten und die Terzen.

      Sie fechten gut, sie trinken gut,
      und wenn sie die Hand Dir reichen,
      zum Freundschaftsbuendnis, dann weinen sie;
      sind sentimentale Eichen.
      „““

      — Dtl., ein Wintermaerchen

      Ein schoeneres Bekenntnis an das Verbindungsstudententum gibt es wohl in der deutschen Literaturgeschichte nicht, den durchklingenden Geist wird jeder Verbindungsstudent nachvollziehen koennen. Wenn schon,, dann also bitte die ganze Geschichte. Hier grundsaetzlich gegen die boesen kapitalsexistireaktionaeren Ultraburschis zu sein und dann Heine zu zitieren, ist einfach nur lachhaft. Schlagen Sie mal unter „Eklektizismus“ im Lexikon nach, und dann am Besten unter „Verblendung“.

      • Ein schoeneres Bekenntnis an das Verbindungsstudententum gibt es wohl in der deutschen Literaturgeschichte nicht, den durchklingenden Geist wird jeder Verbindungsstudent nachvollziehen koennen. Wenn schon,, dann also bitte die ganze Geschichte.

        ebend. dann bitte auch sagen dass heine kein vollblutburschenschaftler war wie du hier weis machen möchtest, vielmehr nahm er relativ früh (1822) eine skeptische haltung gegenüber dem regressiven moment der verbindungen ein:

        O deutscher Jüngling, wie finde ich dich und deine Worte sündlich und läppisch in solchen Momenten, wo meine Seele die ganze Welt mit Liebe umfaßt, wo ich Franzosen und Türken jauchzend umarmen würde, und wo ich weinend hinsinken möchte an die Bruderbrust des gefesselten Afrikaners! Ich liebe Deutschland und die Deutschen; aber ich liebe nicht minder die Bewohner des übrigen Teils der Erde, deren Zahl vierzigmal größer ist, als die der Deutschen. Die Liebe gibt dem Menschen seinen Wert. Gottlob! ich bin also vierzigmal mehr wert als jene, die sich nicht aus dem Sumpfe der Nationalselbstsucht hervorwinden können, und die nur Deutschland und Deutsche lieben. (src)

  5. respekt an die organisierenden eine inhaltlich wichtige demo in der thüringer provinz mit 300 Leuten durchzuziehen! Ich habe da sehr viel Respekt! Grüsse!

  6. Ich frage mich warum die Gesichter der Demonstrationsteilnehmer unkenntlich gemacht worden sind, aber nicht die Gesichter der offensichtlich ungefragt gefilmten Verbindungsstudenten…
    Haben nicht alle die gleichen Rechte oder wird hier etwa mit zweiterlei Maß gemessen?
    Markus

  7. Pingback: “Deutschland, Deutschland, über alles” beim Burschentag « Anarchistischer Funke

  8. Warum ist das Video auf Youtube weg?!? Gibt es da eine Stellungnahme von den Filmpiraten zu?

    Wie kann mensch Heine nur so falsch verstehen. Ist das Absicht? Das gesamte Wintermärchen ist durchzogen von Ironie und trieft nur so von Verachtung für das Deutschnationale. Es ist den Vorgängern der heutigen Burschis übrigens noch aufgefallen, dass Heine sich über sie lustig machte!
    Außerdem durchlief der gute durchaus eine Entwicklung.
    Geht mal in nen Literaturkurs!

    „Auch deine Fahne gefällt mir nicht mehr,
    Die altdeutschen Narren verdarben
    Mir schon in der Burschenschaft die Lust
    An den schwarz-roth-goldnen Farben.“

    und was die Zukunft angeht war er auch schon sehr hellsichtig:
    „Die Zukunft Deutschlands erblickst du hier,
    Gleich wogenden Phantasmen,
    Doch schaudre nicht, wenn aus dem Wust
    Aufsteigen die Miasmen!“

    Sie sprach’s und lachte sonderbar,
    Ich aber ließ mich nicht schrecken,
    Neugierig eilte ich den Kopf
    In die furchtbare Ründung zu stecken.

    Was ich gesehn, verrathe ich nicht,
    Ich habe zu schweigen versprochen,
    Erlaubt ist mir zu sagen kaum,
    O Gott! was ich gerochen! – – –“

    zumindest durfte er noch Mitglied sein. das ist ja in eurer Geschichte auch nicht immer selbstverständlich gewesen…

  9. Also die Linken, Punks usw. unterscheiden sich nicht von den Rechten…alle gleich, in eine Richtung denkend und fanatisch, agressiv usw…für mich sind die alle gleich. Alle dumm. Versoffene Alkoholiker die nix in der Birne haben!

  10. Wenn man die einen Dummen demonstrieren lässt muss man die anderen Deppen auch lassen…geht arbeiten und kümmert euch um Menschen die Hilfe brauchen anstatt euch gegenseitig zu bekriegen, das würde mehr Sinn machen, statt hier zu diskutieren.

  11. Bei uns gibt es solche Probleme nicht, welcher Teil der Republik ist heute denn noch so verdorben?

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